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  • susakarr

More gain, less loss

Okapi waves a piece of paper in front of Zebra's nose. - Stating the Obvious, it says,

- why do such things even need to be mentioned? Zebra puts on a slight frown.

- You shouldn't always get so upset. You must have known long ago that even old findings are always new! - Yes, do you think that just because I know it, I won't get upset anymore? - What is it about exactly? Zebra wants to know, takes the sheet away from Okapi and reads:


"Our senses are not made for uninvolved cognition, but for participation, a non-theoretical consciousness. (Theory: uninvolved, detached contemplation)"


- Well, I don't think it's that obvious, Zebra comments, handing back the piece of paper. - Explain that to me, and who writes that so complicated, anyway?

- Isabelle Stengers, and I think she's cool, too. But she has to write things like that because a lot of people don't know. - Is this a discussion about theory now?

- No, a plea for participation, that is, a perception that includes and allows for emotions. - You are at the affective turn? - That's an academic way of putting it, Okapi smiles, visibly reconciled. - What I like is (it takes a particularly upright rhetorical stance) - Stengers again:


"Our consciousness shares the metamorphic capacity of things that attract us or fall back into motionless availability, according to the nature of our participation-but which never disappears (the metamorphic capacity: the ability to transform)".


-That's pretty freaky! Zebra says, impressed. - Animistic, I would say. - As if a definition would explain the phenomenon! Okapi replies with a smug smile.


The credo of modern science is still that we are deceived by our senses, our unconscious aspirations. Such a science must defend itself against the onslaught of the imagination. It clings to the ambivalent qualities of the rhetorical, and tries to take refuge in abstraction and sober distance.


Actually, the rationalists who call themselves this way are hopeless pessimists who can only endure a world when they have disenchanted it and at the same time declare this to be necessary. Those who have no greater frame of reference than the singular, pathetic egoistic endeavor of a single person are unlikely to find joy or meaning in life, nor in establishing and maintaining connections with other living beings.

However, the subjective, the sentient, the immediate must not be excluded in a living world. A stronger turning towards the emotional parts means an enrichment of life and, moreover, a becoming real and tangible of reality. Towards a future with less loss and more gain.


Photo by Hristo Fidanov from Pexels


Mehr Gewinn, weniger Verlust


Okapi fuchtelt mit einem Blatt Papier vor Zebras Nase herum. - Stating the Obvious, sagt es, - wieso müssen solche Dinge überhaupt erwähnt werden? Zebra setzt ein leichtes Stirnrunzeln auf. - Du solltest dich nicht immer so aufregen. Du musst doch schon längst wissen, dass auch alte Erkenntnisse immer wieder neu sind! - Ja glaubst Du, dass ich, nur weil ich es weiß, mich nicht mehr aufrege? - Um was geht es denn überhaupt genau? will Zebra wissen, nimmt Okapi das Blatt weg und liest:


„Unsere Sinne sind nicht für eine unbeteiligte Kognition gemacht, sondern für Teilhabe, ein nicht-theoretisches Bewusstsein. (Theorie: unbeteiligte, losgelöste Kontemplation)“


- Na, so "obvious" finde ich das gar nicht, kommentiert Zebra und gibt den Zettel zurück. - Erklär mir das mal - und wer schreibt das überhaupt so kompliziert?


- Isabelle Stengers, und ich finde sie auch cool. Aber sie muß solche Dinge schreiben, weil viele es nicht wissen. - Ist das jetzt eine Diskussion über Theorie? - Nein, ein Plädoyer für Teilhabe, also eine Wahrnehmung, die Emotionen einbezieht und zuläßt. - Du bist beim affective turn? - So kann man es akademisch ausdrücken, schmunzelt Okapi, sichtlich versöhnt. - Was mir gut gefällt ist (es nimmt eine besonders aufrechte rhetorische Haltung ein) - nochmal Stengers:


„Unser Bewusstsein teilt das metamorphotische Vermögen der Dinge, die uns anlocken oder in reglose Verfügbarkeit zurückfallen, entsprechend der Art unserer Teilhabe – das aber nie verschwindet (das metamorphotische Vermögen: die Fähigkeit, sich zu verwandeln)“.


- Ziemlich abgefahren! meint Zebra beeindruckt. - Animistisch, würde ich sagen.

- Als wenn eine Definition das Phänomen erklären würde! entgegnet Okapi mit süffisantem Lächeln.


Das Credo der modernen Wissenschaft lautet immer noch, wir seien von unseren Sinnen, unseren unbewussten Bestrebungen Getäuschte. Eine solche Wissenschaft muss sich gegen den Ansturm der Imagination wehren. Sie klammert sich an die ambivalenten Eigenschaften des Rhetorischen, und versucht in die Abstraktion und nüchterne Distanz zu flüchten.


Eigentlich sind die sich selbst so nennenden Rationalisten hoffnungslose Pessimisten, die eine Welt nur ertragen, wenn sie sie entzaubert haben und dies gleichzeitig als notwendig deklarieren. Wer keinen größeren Bezugsrahmen hat als das einmalige, armselige egoistische Bestreben einer einzelnen Person, findet wohl weder Freude noch Sinn im Leben, noch darin, Verbindungen mit anderen Lebewesen aufzunehmen und zu pflegen.

Das Subjektive, das Empfinden, das Unmittelbare dürfen aber in einer lebendigen Welt nicht ausgeschlossen werden. Eine stärkere Hinwendung zu den emotionalen Anteilen bedeutet eine Bereicherung des Lebens und zudem ein Wirklich- und Spürbarwerden von Realität. Hin zu einer Zukunft mit weniger Verlust und mehr Gewinn.

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